Abenteuer & Erlebnisse
Geschichte und Kunst auf den Inseln Ogijima und Megijima im Seto-Binnenmeer erleben
Die alle drei Jahre stattfindende Setouchi Triennale ist eines der berühmtesten Festivals Japans für zeitgenössische Kunst und präsentiert über 150 Kunstwerke, viele davon Installationen, auf über einem Dutzend Inseln im Seto-Binnenmeer. Naoshima und Teshima sind bei weitem die berühmtesten Kunstinseln, aber für diejenigen, die etwas Nuanciertes und weniger Inszeniertes suchen, sollten die kleineren Inseln Ogijima und Megijima ganz oben auf der Liste stehen.
Was sind Ogijima und Megijima?
Ogijima und Megijima, wörtlich „männliche Bauminsel“ und „weibliche Bauminsel“, liegen aufgrund ihrer Nähe und ähnlichen Größe nur einen Kilometer voneinander entfernt vor der Küste von Takamatsu in der Präfektur Kagawa. Mit jeweils weniger als drei Quadratkilometern, sind sie klein genug, dass man beide an einem Tag besuchen kann, ohne sich gehetzt zu fühlen. Die farbenfrohe, rot-weiß gestreifte Fähre von Takamatsu hält zuerst in Megijima und dann in Ogijima, bevor sie auf dem Rückweg nach Takamatsu wieder über Megijima zurückfährt.
Der Megijima-Möwen-Parkplatz
Wir nahmen die Fähre am frühen Morgen von Takamatsu aus und kamen, eine kurze 20-minütige Fahrt später, in Megijima an. Sobald Sie sich dem Hafen von Megijima nähern, erspähen Sie bereits eines der Kunstwerke der Insel – Hunderte von Möwen, die den Hafen und die Brandungsbarrieren schmücken und sich im Einklang mit dem starken Wind bewegen. Wenn Sie von der Fähre steigen, können Sie sie auch hören. Während sie die kleinen Kunstwerke wie Windfahnen drehen, reibt die Metalloberfläche der Möwe an der des Pfahls, mit der sie am Beton befestigt ist und erzeugt ein Geräusch, das dem Ruf einer hungrigen Möwe ähnelt.
Onigashima Oni no Yakata
Unser erster Halt ist Oni no Yakata – das erste Gebäude, das man sieht und das Touristeninformationszentrum der Insel. Es wird Oni no Yakata, oder auch Dämonenpalast genannt, weil Megijima, das den Einheimischen als Onigashima oder Dämoneninsel bekannt ist, lange als eine Insel galt, die Dämonen beherbergte und durch das Volksmärchen Momotaro berühmt geworden ist. Im Oni no Yakata befindet sich ein kleines Theater, in dem Sie einen kurzen, amüsanten Film über die Dämonen auf der Insel schauen können und wie Momotaro es wagte, sie anzugreifen. Nach dem Film gingen wir zurück zum Informationsbereich und mieteten uns Fahrräder, um die Insel zu erkunden.
Mit dem Fahrrad auf der Insel zu fahren macht viel Spaß und Sie können auf diese Weise sehr schnell längere Strecken zurücklegen.
Die Anwesenheit der Abwesenheit
Als Nächstes besuchten wir „Die Anwesenheit der Abwesenheit“, ein Werk, das beim Setouchi International Art Festival viel Aufmerksamkeit erregt hat. Dieses Werk ist in einem renovierten alten Haus installiert. Es stammt von Leandro Erlich, einem renommierten argentinischen Konzeptkünstler und basiert auf der Thematik, die Abwesenheit sichtbar zu machen. Mit einem Restaurant- und dem Bibliotheksbesuch zusammen, ist es ein Muss, wenn man Megijima besucht.
Abgesehen von den Kunstwerken, gibt es auch eine Reihe von Geschäften und Restaurants mit Blick auf den Strand, einen gepflegten Tempel und viele enge Gassen und Häuser, durch die wir fuhren, als wir uns auf den Weg zurück zum Oni no Yakata und zur Fähre für unser nächstes Ziel, Ogijima, machten.
Ogijima Ogi “Koryukan”
Ogijima ist etwas kleiner als Megijima, mit einer ähnlichen Bevölkerungsdichte von etwa 160 Einwohnern. Aber die Kunstwerke hier fühlten sich irgendwie anspruchsvoller an. Auch auf dieser Insel gilt, sobald Sie die Fähre verlassen, kommen Sie mit den Kunstwerken direkt in Kontakt. Ogijimas Seele, entworfen von Jaume Plensa, ist sowohl eine Skulptur als auch das Touristeninformationszentrum der Insel. Das Dach des Gebäudes entspricht Plensa so wie er im Buche steht, konstruiert aus Buchstabenformen verschiedener Alphabete, die tagsüber komplexe Schatten auf den Boden werfen. Als wir dort waren, fand im Inneren des Gebäudes eine Kunstausstellung von Kindern statt, die von der Decke hing und Fotos einiger Kunstwerke der Insel zeigte, die zu verschiedenen Tageszeiten aufgenommen wurden. Es gibt auch Tische im Inneren, an denen Sie Ihre Tour rund um die Insel planen oder auf die Ankunft der Fähre warten können, die Sie zum nächsten Ziel bringt.
Takotsuboru
Direkt neben Ogijimas Seele steht Takotsuboru vom TEAM Ogi. Dieser Teil eines Spielplatzes basiert auf dem Motiv eines Krakentopfes, der zum Krakenfischen verwendet wird - eine Tradition auf der Insel, welche die Hoffnung verkörpert, dass die Kinder der Insel stark und erfolgreich heranwachsen.
Auf Ogijima stehen keine Elektrofahrräder zum Verleih und obwohl dies anfangs etwas seltsam erscheint, werden Sie es nach der Erkundung der Insel verstehen, warum dies der Fall ist. Im Gegensatz zu Megijima sind die Straßen hier wie ein Labyrinth aus schmalen Fußwegen, kaum breit genug für zwei Fußgänger, geschweige denn für Menschen auf Fahrrädern. Dennoch ist Ogijima eine wunderschöne Insel, auf der man sich beim Herumwandern leicht verirren kann, mit Wandmalereien auf Gebäuden und interessanter Architektur überall. Sie wissen nie, was Sie um die nächste Ecke herum erwartet.
Die wandelnde Arche
Das südliche Ende der Insel ist einer der berühmtesten Orte des Setouchi-Gebiets. Die wandelnde Arche von Keisuke Yamaguchi soll von der Arche Noah inspiriert sein und besteht aus einer Bergkette mit Beinen. Aus bestimmten Blickwinkeln betrachtet, passt das Kunstwerk perfekt zu den Bergketten von Shikoku in der Ferne und sieht aus, als würde es sich gleich aufmachen und über das Wasser wandern. Yamaguchi schuf das Stück als Erinnerung an das große Erdbeben und den Tsunami 2011 im Osten Japans, welche die Region Tohoku verwüsteten. Er stellte sich dabei vor, dass das Kunstwerk in die Richtung der Präfektur Fukushima wandern würde.
Von der wandelnden Arche aus, wanderten wir weiter über die Nebenstraßen zum Schrein Toyotama-hime, von dem man entlang der Nordostküste der Insel, zum Ogijima-Leuchtturm kommt, der 1895 erbaut wurde. Vom Leuchtturm aus führen Naturpfade über die Insel, die einen zu spektakulären Felsformationen und Aussichtspunkten bringen.
Nachdem ich beide Inseln erkundet hatte, kam ich zu dem Schluss, dass sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Megijima mit ihren breiten Straßen, sanft geschwungenen Hügeln und einem kulturellen Schwerpunkt auf Dämonen, Kindermärchen und Folklore. Im Gegensatz dazu steht Ogijima, die sich felsiger anfühlt, mit einer kompakten Gemeinde, die aus einem Labyrinth von Gassen besteht, in denen man sich leicht verirren kann, und Naturpfaden und Schreinen, die es zu erkunden gilt. Doch zusammen ergeben die beiden Inseln ein harmonisches Gesamtbild und sind ein perfekter Tagesausflug von Takamatsu aus. Die beiden Inseln sind eine gute Alternative zur überwältigenden Anzahl von Touristen auf den Inseln Naoshima und Teshima.
Photographs and text by Cherise Fong
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