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Ikazaki Shachū: Vergoldung verleiht der tausendjährigen japanischen Papierkultur neuen Glanz
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- ZIELORT
- Ehime
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- LETZTE AKTUALISIERUNG
- 13. Februar 2023
Im Süden der Präfektur Ehime gibt es einen Ort mit perfekt erhaltenen traditionellen Stadtlandschaften und unvergleichlicher Papierhandwerkskunst: Ikazaki. Das raffinierte Japanpapier („Washi“) aus Ikazaki, das aus den Segnungen der unberührten Natur der Region hervorgegangen ist und auf eine jahrtausendealte Tradition zurückblicken kann, diente über die Jahrhunderte hinweg der Kunst der Kalligrafie und der Herstellung von „Shōji“ (mit Papier bespannte Schiebetüren) und wurde zu einer der bekanntesten Washi-Arten Japans, bevor es in den letzten Jahren einen Niedergang erlebte. In dieser Ecke des ländlichen Japans, die um die Erhaltung dieser erstaunlichen Kunstfertigkeit kämpft, besuchte ich Ikazaki Shachū, ein Unternehmen, das Washi herstellt und dessen Charme in der Welt bekanntmacht. Dort konnte ich mehr über ihre innovativen Ansätze erfahren und mich selbst an der Vergoldung von Japanpapier versuchen, was es nur hier in Ikazaki gibt!
Uchiko Ikazaki: Eine Reise in die Vergangenheit in alten Städten, die einst zu den bedeutendsten Zentren der Japanpapier-Produktion gehörten
Traditionelle Stadtlandschaften, wunderschöne Handwerkskunst und eine reiche Natur empfingen mich in Ikazaki in Uchiko, einer bezaubernden ländlichen Gegend im Süden der Präfektur Ehime. Ikazaki ist mit reichlich klarem Wasser aus dem Fluss Oda gesegnet und von unberührten, mit Wäldern bedeckten Bergen umgeben. Damit verfügt es über alle Voraussetzungen für die Herstellung von Japanpapier, wodurch eine Tradition entstand, die so alt und geschätzt ist, dass sie sogar in verschiedenen Büchern und Dokumenten aus der Heian-Zeit (794–1185) erwähnt wird.
Zu den reichhaltigen natürlichen Ressourcen der Region gehört nicht nur das außerordentlich saubere Wasser, das für die Herstellung von schönem Papier unerlässlich ist, sondern auch der Reichtum an „Kōzo“ (Papiermaulbeerbaum) und „Mitsumata“ (Papierbusch), die als Rohmaterialien für Washi verwendet werden und es Generationen von lokalen Kunsthandwerkern ermöglichten, hochwertiges Japanpapier herzustellen. Seine zarte und weiche Haptik, seine hervorragende Haltbarkeit trotz unglaublicher Dünnheit sowie seine außergewöhnliche Glätte und Saugfähigkeit haben es zu einer der begehrtesten Papierarten in Japan für Kalligrafie gemacht!
Das über die Jahrhunderte weitergegebene Wissen über die Papierherstellung und die dazu genutzten Techniken wurden während der Edo-Zeit (1603–1867) unter der Schirmherrschaft der Feudalherren des lokalen Ōzu-Clans weiterentwickelt, die das Washi nutzten, um ihr Vermögen zu vermehren. Ihre Bemühungen, das lokale Papier zu fördern und landesweit zu exportieren, brachten dem Ikazaki-Washi den Beinamen „Ōzu-Washi“ ein, und Uchiko wuchs zu einem geschäftigen Zentrum des Handels und Wassertransports heran, was der Region beispiellosen Reichtum bescherte. Spuren des einstigen Ruhmes von Uchiko können immer noch in den Vierteln Yōkaichi und Gokoku bewundert werden, die als wichtige Bezirke zur Bewahrung traditioneller Gebäudegruppen designiert wurden, da sie auf wunderschöne Weise eine Vielzahl historischer Stadthäuser aus der Edo- und Meiji-Zeit bewahren und Besucher in die Atmosphäre des alten Japans einhüllen.
Während der Meiji-Zeit (1868–1912) expandierte das Papiergeschäft in Ikazaki weiter. Mehr als 400 Handwerker waren an der lokalen Washi-Herstellung beteiligt, und die Region wurde zu einem der führenden Produzenten von Washi in Japan.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Nachfrage nach handgeschöpftem Washi aufgrund der Verbreitung von maschinell hergestelltem Papier und der Verwestlichung des Lebensstils und der Wohnverhältnisse allmählich zurück, was einen Niedergang der lokalen Washi-Industrie zur Folge hatte. Obwohl Ikazaki-Washi 1977 vom Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie als nationales traditionelles Kunsthandwerk designiert wurde, schrumpfte die Zahl der Unternehmen, die sich mit der Herstellung von Washi befassten, stetig, was durch den Mangel an jüngeren Kunsthandwerkern, die die wertvollen Papiertraditionen von Ikazaki fortführen würden, noch verschlimmert wurde.
Die Situation war so tragisch, dass die Einheimischen befürchteten, handgefertigtes Washi würde aus Ikazaki verschwinden, und in dem Versuch, die geschätzte lokale Industrie zu retten, schlossen sie sich zusammen, um seine Popularität wiederherzustellen.
Ikazaki Shachū: Ein renommiertes Unternehmen, das die lokale Washi-Industrie durch innovative Vergoldung wiederbelebt
Ich brannte darauf, in die örtliche Washi-Kultur einzutauchen und mehr über die Bemühungen um ihre Erhaltung zu erfahren. Deshalb erkundete ich die Tenjin-Papiermühle von Ikazaki Shachū, das Herzstück der unglaublichen regionalen Wiederbelebung, die Ikazaki gerade erfährt. Entlang des Flusses Oda stehen die alten Holzgebäude der Papiermühle – eine der wenigen Fabriken, in denen heute noch Ikazaki-Washi von Hand hergestellt wird – und stellen mit ihrer anmutig alternden Gestalt die vielen Jahre hingebungsvoller Arbeit zur Schau.
Bei meinem Besuch befand sich das Papier gerade in der Trocknungsphase. Ich konnte beobachten, wie einer der Handwerker Washi-Bögen elegant auf einige Eisenplatten legte und dann alle Falten ausbürstete, was in dem mit Dampf erfüllten, lichtdurchfluteten Raum fast wie eine Vision aus der Vergangenheit aussah.
Hiroyuki Saitō, der Geschäftsführer von Ikazaki Shachū, führte mich in die Geheimnisse hinter dem Premium-Papier aus Ikazaki und dessen jüngst zurückeroberten Erfolg ein. Er betrat die Welt des Ikazaki-Washi fast wie vom Schicksal geführt und wurde schließlich zu einer Schlüsselfigur in diesem Bereich, als Ikazaki-Washi vom japanischen Außenministerium für das JAPAN BRAND-Programm als eines der traditionellen japanischen Handwerke ausgewählt wurde, das im Ausland beworben wird, um das Interesse und das Verständnis der internationalen Gemeinschaft für Japan zu fördern.
Hiroyuki war ursprünglich ein Systemingenieur aus der Präfektur Kanagawa und zog erst nach Ikazaki, dem Geburtsort seiner Frau, als er von seinem Schwiegervater vom JAPAN BRAND-Programm hörte, wonach er beschloss, einen Schritt nach vorn zu wagen und 2008 schließlich Ikazaki Shachū gründete. Mit dem Ziel, die Washi-Kultur in Ikazaki am Leben zu erhalten und gleichzeitig neue Wege zu beschreiten, ist das Unternehmen heute der einzige Hersteller von Tapete aus vergoldetem Washi weltweit.
Im Gegensatz zur nüchternen Atmosphäre der Fabrik war das Atelier ein schimmerndes Spektakel aus goldenen Farbtönen, denn die Wände und Arbeitstische waren mit Ikazakis berühmtem vergoldeten Washi bedeckt. Hier war eine Vielzahl prächtiger Washi-Arten ausgestellt, die mit komplizierten und auffälligen Mustern verziert waren, einige davon so fein und detailliert, dass sie fast wie Spitze aussahen, und andere so gewagt, dass sie mich an moderne Kunstwerke erinnerten.
Ikazakis einzigartiges vergoldetes Washi ist das Ergebnis einer unglaublich glücklichen Begegnung. Mit Unterstützung des JAPAN BRAND-Programms stellte Hiroyuki auf einer Innenausstattungsmesse in Paris Ikazaki-Washi aus und sah dort die vergoldeten Tapeten des in Frankreich lebenden ungarischen Designers Gabor Ulveczki. Er war fasziniert von dem wunderschönen Funkeln der auf Papier aufgebrachten Metallfolie und dachte, dass diese Technik auch mit Ikazaki-Washi hervorragend funktionieren könnte.
Sonderbarerweise war Vergoldung ursprünglich nicht für Papier gedacht, da es sich dabei um eine alte europäische Technik handelt, mit der Bilderrahmen und Möbelstücke verziert wurden. Gabors neuartiger Stil, der seinem Designunternehmen den prestigeträchtigen Titel „Lebendes Kulturgut Frankreichs“ einbrachte, nutzt jedoch die Oxidation und Korrosion von Gold, Kupfer, Silber und Aluminium, um atemberaubende Farben und besondere Glanzeffekte zu erzeugen, die Papier so wunderbar komplementieren, dass das Material fast lebendig wirkt.
Gabor zog für eine Weile nach Uchiko und erteilte technische Anleitung, während er mit Ikazaki Shachū bei der Entwicklung von vergoldeten Washi-Produkten zusammenarbeitete. Sie mussten einen langen Prozess von Versuch und Irrtum durchlaufen, um die für die Vergoldung verwendeten Klebstoffe an das Japanpapier anzupassen, das ungleichmäßiger als normales Papier ist, aber das Endergebnis war eine neue Art von Washi, das sich durch exquisite Eleganz und Originalität auszeichnet, ohne die charakteristische Weichheit und Luftigkeit von Ikazaki-Washi aufzugeben. Im Laufe der Zeit brachte die Produktion dieses Papiers neuen Schwung in die lokale Gemeinschaft und die dort tätigen Unternehmen.
Das neuartige vergoldete Papier, das im Ausland und in ganz Japan Aufmerksamkeit erregt, wird heute als Dekoration in berühmten Hotels, kommerziellen Einrichtungen und sogar im Dōgo-Onsen eingesetzt, einem der berühmtesten Thermalbäder Japans. Darüber hinaus verwenden es Unternehmen wie GODIVA und Cartier für Ziertafeln und Verpackungen! Mehr junge Menschen sind nun daran interessiert, die Kunst der Papierherstellung zu erlernen und die traditionelle Industrie von Ikazaki weiterzuführen.
Ikazaki Shachū Workshop: Versuchen Sie sich an der Vergoldung von Washi und kreieren Sie einzigartige Souvenirs
Bei meinem Besuch konnte ich mich an der Vergoldung von Washi-Postkarten versuchen und einige grundlegende Techniken dieser wunderbaren Kunstform erlernen! Als ich meinen Platz einnahm, erzählte mir Hiroyuki stolz, dass dieser Workshop seit seiner Gründung sehr beliebt ist. Er ist einfach und macht Spaß und hat bei japanischen und internationalen Besuchern gleichermaßen eine Zufriedenheitsrate von 100 %!
Die Postkarten zeigten acht verschiedene Designs, die von den Kunsthandwerkern von Ikazaki Shachū und der Tenjin-Papiermühle entworfen und handgefertigt wurden. Einige Motive waren eher verspielt, wie etwa eine niedliche Bärenmutter mit ihrem Jungen, während andere traditioneller waren, wie beispielsweise Kirschblüten. Ich entschied mich für Hokusais berühmtes Ukiyo-e „Die große Welle vor Kanagawa“, eines meiner Lieblingswerke der japanischen Kunst, und für ein Design, das einige wunderschöne japanische Kamelien zeigt, die im Schnee blühen.
Klebstoff war bereits auf das Motiv aufgetragen, also musste ich nur noch aus den fünf Gläsern vor mir eine beliebige Metallfolie auswählen und mich dem kreativen Fluss hingeben. Das Aufkleben der Folien war nicht allzu schwierig, nachdem mich Hiroyuki selbst kurz durch den Prozess geführt hatte. Jede der Folien zeigte wundervolle Farbtöne, die beim Aufkleben unvorhersehbare schimmernde Muster erzeugten und jede Postkarte anders und einzigartig aussehen ließen und den Geschmack und den Geist des Schöpfers widerspiegelten. Ich entschied mich beispielweise für einen eher verträumten Ansatz und fügte dem Wellenkamm Gold und den Kamelien Kupfer hinzu, wobei ich die Farben frei nach meinem Geschmack anpasste.
Nach dem vollständigen Auftragen und Glätten der Oberfläche mit einer Walze wird die überschüssige Folie abgebürstet und das darunter liegende Endergebnis nach und nach freigelegt. Ich hatte das Gefühl, einen verborgenen Schatz aus meinen Washi-Postkarten zu heben, da man nie genau weiß, wie die Farben ausfallen und wie die Kreationen am Ende aussehen werden. Wie Hiroyuki versprochen hatte, nahm ich nicht nur originelle Souvenirs mit nach Hause, sondern auch Teile der lokalen Kultur und reihte mich damit in die Riege der bereits zahlreichen Washi-Vergoldungs-Enthusiasten ein!
Ikazaki Shachū Shop: Nehmen Sie von Kunsthandwerkern aus Ikazaki handgefertigtes zauberhaftes Japanpapier mit nach Hause
Mein kurzer Moment als Vergolderin war zwar vorbei, aber ich konnte Ikazaki Shachū nicht verlassen, ohne den Laden zu besuchen! Der Laden von Ikazaki Shachū, der sich direkt gegenüber der Fabrik und dem Workshop-Raum befand, war mit allen möglichen Papierprodukten gefüllt, die ich mir hätte wünschen können, vollgestopft mit einer großen Auswahl an farbenfrohen Accessoires und Schreibwaren wie Briefsets, Postkarten, Bucheinbänden und Kartenhüllen sowie Einrichtungsgegenständen wie Lampenschirmen, Tischmatten und Untersetzern. Es war der perfekte Ort, um mich mit wunderschönen handgefertigten Produkten aus der Region einzudecken!
Werden Sie kreativ und tauchen Sie in die fabelhafte Welt der Washi-Vergoldung ein
Vergoldetes Washi, eine Kombination von jahrtausendealter Papiertradition und internationalem Vergoldungshandwerk, ist etwas, das nur in Ikazaki zu finden ist. Seien Sie ein Teil der unglaublichen Wiederbelebung dieser Region und treffen Sie die Einheimischen, die dies möglich gemacht haben, während Sie Ihre Zeit in Japan mit dieser praktischen Erfahrung bereichern!
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