Abenteuer & Erlebnisse
Kinosaki-Onsen: Ein nachhaltiger und tattoofreundlicher Thermalbadeort, wo Sie den Charme der Region Toyooka genießen können
-
- ZIELORT
- Hyogo
-
- VERWANDTE SCHLAGWÖRTER
-
- LETZTE AKTUALISIERUNG
- 10. Januar 2023
Als der Zug in den Bahnhof einfährt und die zweieinhalbstündige Fahrt vom Bahnhof Kyōto zu Ende geht, fühle ich mich bereit, das frische Herbstwetter in Kinosaki-Onsen, einem der reizvollsten Onsen-Orte von Setouchi, zu genießen. Heute werde ich durch diese historische Gegend spazieren gehen, in der so viele Schriftsteller und Künstler Inspiration gefunden und ihren Körper und Geist geheilt haben, und mehr über die Einrichtungen in der Region Toyooka erfahren, die für ihre Nachhaltigkeitsbemühungen geschätzt werden. Ich möchte unbedingt herausfinden, wie sie die traditionelle Atmosphäre bewahrt haben und zu Vorreitern von nachhaltigem Tourismus in Japan geworden sind.
Kinosaki-Onsen: Ein Onsen-Dorf mit über 1.000 Jahren Geschichte
Das malerische Kinosaki-Onsen, das für seine sieben öffentlichen heißen Quellen bekannt ist, liegt in den Bergen der Stadt Toyooka im Norden der Präfektur Hyōgo. Trotz seiner Abgeschiedenheit ist das Dorf von Ōsaka, Kyōto und Kōbe aus leicht mit einem Expresszug zu erreichen, ohne dass man umsteigen muss.
Der Legende nach wurde die erste heiße Quelle in dieser Gegend im achten Jahrhundert entdeckt, was Kinosaki-Onsen über 1.300 Jahre alt machen würde. Das allererste Bad in Kinosaki, wo die Quelle entdeckt worden sein soll, hieß „Mandara-Yu“, und dieses Bad mit seinen Becken im Freien mit Blick auf die Berge kann noch heute als eine der sieben öffentlichen heißen Quellen im Dorf besucht werden.
Die heilenden Kräfte der Wasser von Kinosaki!
Es gibt auch eine berühmte Geschichte darüber, wie ein heute seltener Vogel, der Schwarzschnabelstorch („Kōnotori“ auf Japanisch), die heilenden Kräfte der heißen Quellen von Kinosaki-Onsen entdeckte. Der Vogel hatte ein verletztes Bein und war nicht in der Lage zu fliegen, aber nachdem er einige Tage lang in einem Becken mit natürlichem heißem Wasser gebadet hatte, war er bald geheilt und konnte wieder fliegen. Die Menschen im Dorf wurden neugierig, nachdem sie dieses wundersame Ereignis beobachtet hatten, und versuchten, selbst in dem Wasser zu baden. Sie fühlten sich verjüngt wie der Storch. Die Heilkräfte von Kinosaki-Onsen wurden berühmt, und sein Ruf als Kurort hält bis heute an.
Ich habe Kinosaki-Onsen einmal selbst mit einem Freund besucht. Im Laufe von zwei Tagen habe ich alle sieben öffentlichen Bäder ausprobiert. Jedes Badehaus hat sein eigenes, einzigartiges Design, und einige verfügen auch über Badebecken im Freien und Wasser, die bei bestimmten Beschwerden wie Durchblutungsstörungen und Müdigkeit helfen. Als ich das Dorf verließ, fühlte sich meine Haut weicher und geschmeidiger an als je zuvor, und ich fühlte mich völlig erfrischt. Die Wirkung war noch wochenlang zu spüren, sodass ich mich danach sehnte, nach Kinosaki zurückzukehren.
Machen Sie einen Spaziergang durch eine bezaubernde historische Stadt und erkunden Sie jede heiße Quelle!
Durch die schöne Architektur und den romantischen, von Weidenbäumen gesäumten Fluss konnte ich mir leicht vorstellen, wie es gewesen sein mag, vor Hunderten von Jahren durch die Straßen von Kinosaki zu schlendern. Dank einer strengen und konsequenten Stadtplanung sieht ein Großteil der zentralen Yanagi-dōri-Straße immer noch so aus wie in den vergangenen Jahrhunderten, und selbst moderne Ergänzungen wie Lebensmittelgeschäfte wurden sorgfältig entworfen, um sich einzufügen. Entlang der Straße finden Sie das „Yanagi-yu“, ein nach Zypressenholz duftendes Badehaus, und mein persönliches Lieblingsbad, das „Gosho-no-yu“, das dem kaiserlichen Palast von Kyōto nachempfunden ist und ein Freiluftbecken mit Blick auf einen Wasserfall bietet. Die Yanagi-dōri beherbergt auch viele Ryokan (traditionelle japanische Hotels), Restaurants, Cafés und mehr.
Während ihres Aufenthalts in Kinosaki-Onsen werden die Gäste ermutigt, in einem „Yukata“ (leichter Kimono) durch die Stadt zu schlendern, um die verschiedenen Bäder auszuprobieren, etwas zu essen oder einfach die Szenerie zu bewundern. Normalerweise werden solche Bade-Yukata nur auf dem Weg zum und vom Bad getragen und sind nicht unbedingt dafür gedacht, damit auf der Straße herumzulaufen. In Kinosaki-Onsen gehört das Tragen eines solchen Yukata jedoch zum Stolz und Charakter des Dorfes. Die vielen traditionellen Ryokan in Kinosaki bieten Yukata und „Geta“ (Holzsandalen) für ihre Übernachtungsgäste an, während für Tagesausflügler Leihgeschäfte zur Verfügung stehen.
Ich erinnere mich gern daran, wie ich abends im Yukata durch Kinosaki-Onsen schlenderte und anderen Passanten, die denselben Yukata und dieselben Geta trugen, freundlich zunickte oder zulächelte, weil das bedeutete, dass wir im selben Gasthaus übernachteten. Eine „soto-yu meguri“ genannte selbstgeführte Onsen-Tour ist der perfekte Weg, um die Stadt zu erkunden und in allen sieben öffentlichen heißen Quellen zu baden. Die einzelnen Bäder sind jeweils nur wenige Gehminuten voneinander entfernt, sodass man die Tour in ein oder zwei Tagen absolvieren kann. Die meisten Ryokan bieten Eintrittskarten an, mit denen Gäste alle Bäder kostenlos besuchen können, und ansonsten ist eine Tageskarte für 1.300 Yen erhältlich.
Kinosaki hat auch wegen seiner langen Geschichte, dem malerischen Straßenbild und der Offenheit gegenüber Gästen aus aller Welt einen besonderen Platz in meinem Herzen. Es ist einer der wenigen Thermalbadeorte, die ich besucht habe, in denen Gäste mit Tattoos akzeptiert werden – eine Seltenheit in Japan. Zwar hat jedes Ryokan seine eigenen Regeln, aber alle sieben öffentlichen Onsen von Kinosaki erlauben Menschen mit Tattoos jeglicher Größe, Form und Farbe den Zutritt zu den Bädern.
Literaturmuseum Kinobun: Eine Zufluchtsstätte für berühmte Schriftsteller
Ich war erfreut, als ich im Kinobun, dem Literaturmuseum von Kinosaki, erfuhr, dass Kinosaki-Onsen auch ein beliebter Zufluchtsort für einige der beliebtesten Schriftsteller Japans war, darunter Naoya Shiga, ein bekannter Autor aus der Taishō- (1912–1926) und Shōwa-Zeit (1926–1989). Er schrieb sogar eine Novelle mit dem Titel „In Kinosaki“, nachdem er eine schwere Verletzung erlitten hatte und während seiner Genesung Zeit in Kinosaki-Onsen verbrachte. Er schrieb die berühmten Zeilen „Leben und Tod sind keine Gegensätze. Ich hatte das Gefühl, dass es keinen großen Unterschied zwischen ihnen gab“, während er über die Existenz und den Sinn des Lebens nachdachte. Diese kraftvolle Prosa ist an den Wänden der Einrichtung in englischer Sprache zu lesen.
Kinosaki-Onsen war und ist immer noch der perfekte Ort für Kreative, um zu heilen, neu zu starten und neue Inspiration zu finden.
Obwohl Schriftsteller von nah und fern kommen, um sich in Kinosaki-Onsen zu verjüngen, werden hier auch die einheimischen Schriftsteller gefeiert. Im Buchladen des Museums werden viele Bücher lokaler Autoren angeboten. Ich war auch beeindruckt, als ich ein wasserfestes Buch fand, das man mit ins Bad nehmen kann!
Internationales Kunstzentrum Kinosaki: Ein einzigartiges Residenzprogramm
Kinosaki ist nicht nur ein Zentrum für Schriftsteller, sondern auch für darstellende Künstler. Das Internationale Kunstzentrum Kinosaki betreibt ein einzigartiges Künstlerresidenz-Programm („Artists-in-Residence“) für darstellende Künstler, das 2014 ins Leben gerufen wurde. Künstler, die für dieses Programm ausgewählt werden, können drei Tage bis drei Monate lang kostenlos in Kinosaki wohnen. Sie können auch alle Einrichtungen des Kunstzentrums nutzen, zu denen unter anderem der Hauptsaal und sechs Studios gehören.
Dieses einzigartige Programm, das selbst in Japan selten ist, ermutigt Künstler aus der ganzen Welt, ihr Wissen und Können mit Einheimischen und Touristen auszutauschen. Im Rahmen dieses Programms können sie Workshops veranstalten und verschiedene Aufführungen für die Öffentlichkeit abhalten, darunter Theater, Live-Musik und Tanz. Sowohl japanische als auch internationale Künstler können im Kunstzentrum leben, und wenn Sie sich für moderne und darstellende Kunst interessieren, sollten Sie sich diesen weniger bekannten Ort in Kinosaki-Onsen nicht entgehen lassen.
Kinosaki Ashiyu Café: Zuflucht in einem modernen Spa
In Kinosaki gibt es auch eine wachsende Zahl schicker Cafés, und eines davon ist das Kinosaki Ashiyu Café. „Ashiyu“ sind heiße Fußbäder, die man oft in Thermalbadeorten findet. Das Kinosaki Ashiyu Café verfügt über zwei dieser Fußbäder, sodass Gäste einen Saft oder einen Milchkaffee genießen können, während sie ihre Füße in das warme Wasser tauchen. Es gibt noch viele andere kleine Cafés im Dorf, sodass Sie die Qual der Wahl haben, wenn Sie zwischen den Onsen eine kurze Pause einlegen möchten!
Hyōgo Park des Schwarzschnabelstorchs: Rettung eines einst ausgestorbenen Vogels
Neben ihrer Berühmtheit als ein Paradies der heißen Quellen ist die Region Toyooka in den letzten Jahren auch für ihre Entwicklungen im Bereich des nachhaltigen Tourismus bekannt geworden. Dazu gehört die erfolgreiche Wiedereinführung des einst ausgestorbenen Schwarzschnabelstorchs in die freie Natur. Auf dem Höhepunkt ihres Bestands um 1877 konnte man diese majestätischen schwarz-weißen Störche überall in Japan sehen. Doch da die Vögel in den Reisfeldern umherstreiften und die Ernte schädigten, wurden sie von den Landwirten als Schädlinge betrachtet und übermäßig gejagt. In Verbindung mit dem verstärkten Einsatz von Pestiziden führte dies zu einem Zusammenbruch des Bestands. 1957 war der Schwarzschnabelstorch in Japan nur noch in zwei Städten anzutreffen – eine davon war Toyooka – und 1971 starb das letzte wildlebende Exemplar dieser Art.
Erhaltungsmaßnahmen wurden bereits einige Jahre vor dem Aussterben der Art begonnen, doch aufgrund des in Pestiziden enthaltenen Quecksilbers wurden keine neuen Küken mehr geboren. Schließlich wurden 1985 sechs Jungstörche aus der Sowjetunion (dem heutigen Russland) eingeführt, die einige Jahre später erfolgreich Nachwuchs zur Welt brachten. Dies brachte Naturschützern eine lang erwartete Welle neuer Hoffnung.
Es bedurfte jahrzehntelanger Versuche und unermüdlicher Anstrengungen, bis die Störche endlich wieder in die freie Wildbahn zurückkehren und vermehrt werden konnten. Im Oktober 2022 gibt es in Japan 310 dieser Vögel, die in verschiedenen Städten leben.
Als Ergebnis dieser bewundernswerten Initiative zum Wiederaufbau des Schwarzschnabelstorchbestands und der Auswilderung dieser Vögel sowie mehrerer anderer Tourismusmanagement-Strategien und Bemühungen um Landschaftspflege wurde Toyooka von der internationalen Organisation „Green Destinations“ zu einem der „Top 100 der nachhaltigsten Reiseziele der Welt 2021“ gekürt. Es war einer von nur zwölf ausgewählten Orten in Japan.
Die Störche werden im Hyōgo Park des Schwarzschnabelstorchs gezüchtet und aufgezogen, der etwa 20 Autominuten von Kinosaki-Onsen entfernt liegt. Sobald sie ausgewildert wurden, können sie nach Belieben in den Park hinein- und hinausfliegen. Parkbesucher können diese fantastischen Störche aus nächster Nähe beobachten, und neben dem Park gibt es ein Restaurant, in dem Reis serviert wird, der mit storchenfreundlichen Anbaumethoden ohne schädliche Pestizide angebaut wird. Der Park ist ein Muss für alle, die sich für Nachhaltigkeit und seltene Tiere interessieren.
Diesen historischen Rückzugsort in Kinosaki dürfen Sie sich nicht entgehen lassen
Kinosaki-Onsen gilt seit alten Zeiten als beliebter Zufluchtsort für Kreative. Doch die starken Heilkräfte des heißen Quellwassers sind für jeden spürbar, ob man sich nun als kreativ betrachtet oder nicht. Mit ihrem Engagement für die Erhaltung der ewigen Schönheit dieses charmanten Dorfes und den bewundernswerten Bemühungen zur Rettung des Schwarzschnabelstorchs haben sich Kinosaki-Onsen und die Region Toyooka als innovative Vorreiter für die Zukunft des Tourismus in Japan erwiesen, und ich freue mich auf meinen nächsten Besuch.
Verwandte Artikel
VERWANDTE REISEZIELE
Hyogo
Die Hyogo-Präfektur bildet ungefähr den Mittelpunkt des japanischen Archipels. Die hier gelegene Hafenstadt Kobe spielt eine wichtige Rolle als das Tor zu Japan. Darüber hinaus gibt es zahlreiche touristische Attraktionen wie die Himeji-Burg, die als ein UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt ist, sowie mehrere Thermalquellen. Das "Kobe Beef", eine der drei wichtigsten Sorten von Wagyu-Rindfleisch, ist eine weithin bekannte Delikatesse.