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Der Soul Food von Setouchi: Udon-Nudeln selber machen im Udon House!

Der Soul Food von Setouchi: Udon-Nudeln selber machen im Udon House!

Die kleinste Präfektur Japans heißt Kagawa. Sie ist bekannt für ihre reichhaltige Küche – und eine ganz zentrale Rolle spielen dabei die Udon-Nudeln. Diese Nudeln werden aus Weizenmehl hergestellt und nirgendwo gibt es mehr Udon als in Kagawa. Udon-Nudeln sind besonders elastisch und haben ein besonderes Schimmern. Sie sind eine lokale Delikatesse, die man auf keinen Fall verpassen sollte! Begleiten Sie mich gerne auf meiner Reise: Die nächsten 24 Stunden werde ich in einem etwa 100 Jahre alten, traditionellen Haus verbringen, das zu einer Werkstatt und einem Gästehaus umgebaut wurde. Dort werde ich in die Udon-Kultur eintauchen und mehr über die verschiedenen Arten von Udon lernen – und sogar meine eigenen Udon herstellen!

Kagawa: Der Geburtsort der Udon-Nudeln

Udon House②

An einem sonnigen Oktobernachmittag überquert der Zug die Seto-Großbrücke von Japans Hauptinsel zur Insel Shikoku. Diese umfasst vier Präfekturen: Tokushima, Kagawa, Ehime und Kochi. Ich fahre in die Präfektur Kagawa, die für Japaner ein Synonym für Udon ist, genauer gesagt für „Sanuki Udon“. Sanuki ist der alte Name für die Präfektur Kagawa. Der Boden und das Klima dort sind ideal für den Anbau von Weizen. Die Geschichte von Udon in Kagawa reicht über 1.000 Jahre zurück. Damals wurden die Nudeln aus China eingeführt. Im Laufe der Zeit haben sie sich zu einem sehr beliebten Gericht entwickelt.

Udon House: Zeitloses kulinarisches Reisen!

Udon House③

Ich stieg am Bahnhof Motoyama im Westen der Präfektur Kagawa aus dem Zug und ging eine Minute bis zum Udon House. Hier begann meine kulinarische Reise der Udon-Herstellung. Das Udon House ist sowohl eine Werkstatt als auch eine Gästehaus und befindet sich in einem etwa 100 Jahre alten traditionellen Wohnhaus, einem sogenannten „Kominka“.

Diese Einrichtung wurde 2018 eröffnet, kurz nachdem die Inhaberin und Gründerin nach Europa gereist und sich dort in Italien an der Herstellung von Pasta probiert hatte. Das hat sie dazu inspiriert, eine ähnliche Erfahrung in ihrer Heimat zu ermöglichen. Viele Menschen haben schon einmal Udon gegessen, aber nur wenige haben diese schon mal selbst hergestellt. Daher ist das ein wirklich besonderes Erlebnis, von dem auch Einheimische profitieren können. Das Udon House bietet ein zweitägiges Programm an, bei dem die Gäste in alles eintauchen, was mit Udon zu tun hat. Es ist aber auch möglich, nur an einem Udon-Workshop teilzunehmen, ohne dort zu übernachten.

Udon Master Class: Stellen Sie Ihre eigenen Udon her!

Udon House④

Ich habe mich sehr auf diesen Workshop gefreut! Ich esse zwar sehr häufig Udon, aber ich habe noch nie welche selber gemacht. Zu Beginn erhielt jeder von uns seinen eigenen Teig aus Weizenmehl, Wasser und Salz. Die Kursleiterin erklärte uns dann, wie wir den Teig richtig kneten und flach ausrollen. Sie zeigte uns, wie man den Teig zu einem Rechteck formt, damit man ihn später leichter schneiden kann. Nach ein paar Runden mit dem Nudelholz und dem wiederholten Überprüfen, dass keine Luftblasen eingeschlossen sind, konnten wir den Teig zusammenfalten und ihn zur Schneidemaschine bringen.

Udon House⑤

Die Kursleiterin demonstrierte uns zuerst, wie man die Schneidemaschine richtig benutzt. Danach fühlte ich mich sehr souverän und konnte kaum abwarten, bis ich selber an der Reihe war. Die Schneidemaschine ist gefedert, sodass die Klinge bei jedem Schnitt leicht nach rechts springt. Das macht es möglich, alle Nudeln gleich groß zu schneiden. Die Maschine war sehr einfach zu bedienen. Ich fand es viel sicherer als etwa mit dem Messer von Hand zu schneiden. Die Kursleiterin riet mir außerdem, meine linke Hand hinter den Rücken zu legen, um so das Risiko zu verringern, dass ich mir beim Schneiden der Nudeln versehentlich in die Finger schneide.

Udon House⑥

Nachdem wir die Udon in Streifen geschnitten und das überschüssige Mehl abgeschüttelt hatten, wurden die Nudeln in drei Portionen aufgeteilt: eine für das Abendessen, eine für eine Zwischenmahlzeit und eine für das Frühstück am nächsten Morgen. Wir klebten Etiketten mit unseren Namen auf die Tupperware und an ein Sieb. Die Mitarbeiter begannen dann, unsere Nudeln in dem Sieb zu kochen und die dazugehörige Dashi-Suppenbrühe für uns zuzubereiten. Gäste, die das volle zweitägige Programm absolvieren, besuchen währenddessen einen lokalen Bauernhof, um dort gemeinsam saisonales Gemüse zu ernten.

Udon House⑦

Nach etwa 15 Minuten waren unsere hausgemachten Udon-Nudeln zubereitet! Wir aßen sie als Nudelsuppe, zusammen mit panierten, frittierten Auberginen und Fischkuchen („Tempura“). Das Essen war wunderbar – frisch hergestellte Udon sind unvergleichlich! Die Nudeln waren al dente, aber ohne teigig zu sein, und die Brühe war simpel, aber lecker. Auf dem Tisch standen zusätzliche Beilagen zum Nachwürzen: Frühlingszwiebeln, Seetang, Ingwer, Sesam und gemahlene Chilischoten, die jedem Bissen einen zusätzlichen Kick verliehen. Mein persönlicher Favorit war frisch gemahlener Sesam.

Gäste mit besonderen Ernährungseinschränkungen oder Allergien sollten das Udon House bei der Buchung im Voraus darüber informieren. Einige der Mitarbeiter sprechen auch Englisch.

Das Gästehaus von Udon House: Das „Haus“ im Udon House!

Udon House⑧

Im zweiten Stock des Udon House stehen drei Gästezimmer zur Verfügung, die jeweils Platz für 1 bis 4 Personen bieten und passenderweise nach verschiedenen Udon-Gerichten benannt sind. Mein Zimmer hieß „Zaru“ – damit gemeint sind kalte Udon-Nudeln, die auf einem flachen Bambussieb serviert werden, durch das überschüssiges Wasser abfließen kann. Meine Freunde übernachteten im Zimmer „Kamatama“ – das ist ein Udon-Gericht mit Sojasoße und rohem Ei. Das letzte Zimmer heißt „Tempura“. Das sind panierte, frittierte Beilagen, die häufig zu Udon serviert werden, so wie bei unserem Abendessen zuvor.

Udon House⑨

Mein Zimmer war gemütlich und schlicht eingerichtet, aber auf eine elegante Weise. Ich schlief auf dem gepolsterten Strohmattenboden („Tatami“) auf einem traditionellen Futon-Bett. Das Zimmer hatte eine wunderschöne japanische Atmosphäre: viel Holz, Schiebetüren und ein faltbares Futon-Bett, das tagsüber im Schrank verstaut wird. Auf meinen Reisen schlafe ich am liebsten in dieser Art von Zimmer, ganz traditionell mit einem Futon. Ich finde es bequem, gemütlich und einfach stilvoll. Das Gästehaus liegt in einer ruhigen Wohngegend, und ich konnte sofort einschlafen. Am nächsten Morgen war ich erholt und ausgeschlafen.

Das Zimmer, in dem meine Freunde schliefen, verfügt über Futons im Etagenbett-Stil, das an ein „Kapselhotel“ erinnert. Es ist eine humorvolle Mischung aus traditioneller japanischer und moderner westlicher Einrichtung. Die Betten waren jeweils perfekt geeignet für eine einzelne Person, und sehr komfortabel!

Udon House⑩

Im ersten Stock des Udon House befinden sich mehrere Gemeinschaftsräume, wie etwa die Küche, das Wohnzimmer mit einem kleinen Tisch und Sitzsäcken, ein Waschraum, Toiletten und Duschen. Die Grundausstattung ist vorhanden (Zahnbürste, Shampoo, Conditioner, Duschgel, Badetuch und Handtuch), aber die Gäste sollten ihren eigenen Schlafanzug mitbringen. In der Gemeinschaftsküche gibt es kostenlos Kaffee, Tee und andere Getränke.

Udon House⑪

Nach diesem erholsamen Schlaf war es Zeit für unsere Frühstücks-Udon! Wir holten aus dem Kühlschrank eine weitere Portion der Nudeln , die wir am Vortag hergestellt hatten. Unsere Udon am Vorabend hatten wir in Dashi-Suppe gegessen, also wollten wir zum Frühstück etwas anderes probieren. Wir entschieden uns für „Bukkake“-Udon.

Udon House⑫

Wir kochten die Nudeln, gossen das Wasser ab und würzten die Udon mit einer besonderen Soße (aus Dashi-Brühe, Sojasoße, Mirin-Reiswein und Zucker). Es war das perfekte Wohlfühlessen, das mich mit neuer Tatkraft in den Tag starten ließ.

Udon-Hopping: Eine Schüssel ist nie genug!

Udon House⑬

Die beste Art, um die vielseitige Udon-Welt von Kagawa kennenzulernen, ist das Udon-Hopping: Man steigt in einen Bus oder ein Taxi und besucht ein paar der über 600 Udon-Restaurants der Präfektur, die alle ihre eigenen einzigartigen Rezepte kochen. Auch wenn man wahrscheinlich nicht 600 Schüsseln am Tag essen kann, so kann man sich doch durch verschiedene Sorten probieren. Zu den besten gehören „Kijoyu“ (mit Sojasoße), „Kamatama“ (mit Sojasoße und rohem Ei) und die bereits erwähnten „Bukkake“-Udon.

In Kagawa gibt es eine Menge zu entdecken!

※Udon House⑭

(Image:https://pixta.jp/photo/51126550 )

Nach unserem Erlebnisprogramm im Udon House haben wir die Küstenregion am Seto-Binnenmeer erkundet. Etwa 15 Autominuten vom Udon House entfernt liegt der Strand Chichibugahama. In den letzten Jahren hat er auf Instagram einiges an Bekanntheit gewonnen, da er Ähnlichkeit mit der Salzwüste Salar de Uyuni in Bolivien besitzt. Bei Ebbe und Windstille spiegelt sich der Himmel auf atemberaubende Weise im Wasser.

Eine bleibende Erinnerung

Udon House⑮

Im Udon House habe ich die besondere Erfahrung gemacht, um 7 Uhr morgens Udon zum Frühstück zu essen. Die frischen Udon mit Sojasoße, Sesam und Zitronensaft waren die besten, die ich je gegessen habe. Es war faszinierend, die Techniken zur Herstellung regelmäßig großer Nudeln kennenzulernen und zu sehen, wie man mit einfachen Zutaten so unverwechselbare und köstliche Gerichte zubereiten kann. Das war ein unvergessliches Erlebnis, an das ich mich gerne zurückerinnern werde, wenn ich in Zukunft wieder Udon esse. Ich empfehle jedem, der traditionelles japanisches Essen liebt und wissen will, wie es hergestellt wird, einen Besuch in Kagawa und insbesondere im Udon House!

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Kagawa

Diese Region hat viele kleinere Inseln, darunter die für Kunstausstellungen bekannten Inseln Naoshima und Teshima. Der exquisite Ritsurin-Park befindet sich ebenfalls hier, und Kagawa ist nicht zuletzt für seine Sanuki-Udon (Nudeln) berühmt, welche aus ganz Japan Besucher anziehen. Die Präfektur wird daher manchmal auch die "Udon-Präfektur" genannt.”

Kagawa