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Eine Bummeltour durch das Iya-Tal – eine der abgelegensten Regionen Japans
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- Tokushima
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- 19. Januar 2023
Wenn es ums Reisen in Japan geht, finden sich zahlreiche „Top 3“-Listen – darunter die drei schönsten Orte, die drei besten japanischen Gärten, die drei ungewöhnlichsten Brücken... und die drei abgelegensten Regionen, wie in unserem heutigen Fall. Diese weniger bekannten Orte sind das Dorf Shiiba (Präfektur Miyazaki), das Dorf Shirakawago (Präfektur Gifu) sowie das Iya-Tal (Präfektur Tokushima). Letzterem haben wir einen Besuch abgestattet. Lassen Sie sich nun von mir auf eine einzigartige Radtour durch das Iya-Tal mitnehmen und all die herrlichen Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Spezialitäten der Region zeigen.
Das Iya-Tal liegt in der Region Nishi-Awa im Nordwesten der Präfektur Tokushima und besteht aus den zwei Großstädten Mima und Miyoshi sowie den beiden Kleinstädten Tsurugi und Higashimiyoshi. Diese beeindruckende Region ist beinahe vollständig von Gebirge bedeckt, da die Asan- und Shikoku-Berge 80 % der Fläche einnehmen. Aus dem Taxi sah ich steile Hänge und kurvenreiche Straßen und fuhr durch viele kleine Dörfer, wodurch mir die Abgeschiedenheit dieser Gegend eindeutig bewusst wurde. Ich konnte verstehen, warum sie als eine der abgelegensten Regionen Japans gilt. Außerdem freute ich mich darauf, diesen Ort, an dem die Zeit stillzustehen scheint, mit meinem Fahrrad zu erkunden, auf Einheimische zu treffen und die einheimische Küche zu kosten.
Bummeltour mit Brompton-Fahrrädern: Ein einzigartiger Weg ins Abenteuer!
Vor meiner Reise kannte ich den Begriff „Bummeltour“ nicht wirklich. Ich erfuhr jedoch bald, dass er eine angenehme bzw. entspannte Weise der Bewegung ausdrückt, bei der man nicht in Eile ist. Dies ist außerdem die perfekte Beschreibung für unsere Art von Ausflug, bei dem wir uns Zeit nehmen, alle Sehenswürdigkeiten des Iya-Tals zu genießen, ohne von Ort zu Ort zu hetzen.
Die Radtour wird mit Brompton-Fahrrädern durchgeführt – einer beliebten Marke, die ursprünglich aus London kommt. Diese Fahrräder sehen nicht nur schick aus, sondern sind darüber hinaus leicht und kompakt und können zur einfachen Aufbewahrung zusammengeklappt werden. Sie sind erstaunlich einfach zu lenken, sodass auch solche Personen sie bequem nutzen können, die lange Strecken mit dem Fahrrad nicht gewohnt sind.
Außerdem lassen sie sich in öffentlichen Verkehrsmitteln transportieren. Obwohl es in anderen Ländern durchaus üblich ist, mit Fahrrädern in öffentliche Verkehrsmittel einzusteigen, habe ich das in Japan noch nie gesehen – es sei denn, das Fahrrad ist klappbar. So muss man sich bei Brompton-Fahrrädern keine Sorgen machen, andere Fahrgäste im Zug oder Bus zu stören.
Der Treffpunkt für diesen Ausflug war der JR-Bahnhof Awa-Ikeda. Von dort aus fuhr unsere Gruppe etwa 19 Minuten mit dem Zug bis zum Bahnhof Oboke, wo wir mit dem amüsanten Anblick der „Love Love Bench“ begrüßt wurden – einer Bank, auf der man von beiden Seiten aus in die Mitte rutscht. Ich hatte gerade noch Zeit, ein paar schöne Fotos von dieser einzigartigen Bank zu machen, als unser Bus zur einzigartigen Brücke Iya-no-Kazurabashi einfuhr!
In der Ferne konnte ich etwas erkennen, das aussah, als hätten sich Bäume ineinander verflochten. Doch beim Näherkommen erkannte ich, dass es sich dabei um die Brücke handelte, die wir überqueren wollten.
Als Iya-no-Kazurabashi gebaut wurde, war sie die einzige Möglichkeit, die Schlucht zu überqueren. Manche sagen, die Brücke sei vom legendären Taira-Clan erbaut worden, dessen Geschichte in der „Heike Monogatari“ (Erzählungen von den Heike), einem Klassiker der Kamakura-Periode (1185–1333), verewigt wurde. Die Taira flohen zur damaligen Zeit aus Kyoto und fanden in dieser Gegend Zuflucht. Sie hatten die Brücke aus strategischen Gründen mit Lianen gebaut. Diese ließen sich nämlich leicht abschneiden, falls der Feind sie entdeckt und verfolgt hätte.
Jetzt, wo keine Feinde mehr existieren, vor denen man fliehen muss, ist die 45 Meter lange Hängebrücke ein nationales Kulturgut von großer Bedeutung für das Volk. Sie verfügt über verdeckte Stahlseile für mehr Stabilität, wobei ihre Ranken alle drei Jahre ausgetauscht werden. Die Existenz der Stahlseile beruhigte mich – dennoch war ich ziemlich nervös, was das Überqueren der Brücke anging. Da sie 14 Meter über dem Iya-Fluss hängt, sieht sie ziemlich steil aus und ist sehr wackelig. Doch das dadurch ausgeschüttete Adrenalin sorgt für ein unglaublich aufregendes und spannendes Erlebnis! Ich war überrascht, wie weit die einzelnen Bretter auseinanderlagen. Jedes Mal achtete ich genau darauf, wo ich meine Füße platzierte.
Sandalen oder Absatzschuhe sind hierbei nicht zu empfehlen, da man leicht ausrutschen und mit den Füßen steckenbleiben kann. Die Überquerung dauert in der Regel nur etwa zwei Minuten – etwas länger, wenn sie für Fotos anhalten. Halten Sie Ihr Telefon auf jeden Fall gut fest!
Die Iya-no-Kazurabashi hat sich den Titel einer der drei ungewöhnlichsten Brücken Japans verdient. Die anderen Brücken auf der Liste sind die Kintai-Brücke in der Präfektur Yamaguchi und die Saruhashi-Brücke in der Präfektur Yamanashi. Die Beschreibung „ungewöhnlich“ passt meiner Meinung nach sehr gut zu dieser Brücke. Ich habe bereits mehrere Hängebrücken besucht, doch keine davon war wie diese. Die Brücke ist technisch gesehen das ganze Jahr über geöffnet; im Winter kann es bei Schneefall jedoch schwierig sein, sie zu überqueren.
Biwa-Wasserfall: Eine himmlische Aussicht
Nach etwa 30 Sekunden bergab auf dem Brompton-Rad sah ich den 50 Meter hohen Biwa-Wasserfall, der nur einen kurzen Spaziergang von der Iya-no-Kazurabashi entfernt liegt. Biwa bezieht sich dabei auf eine traditionelle japanische Laute. Es heißt, dass die Mitglieder des Taira-Clans ihre Biwa spielten, während sie den Wasserfall überblickten. Damit trösteten sie sich, wenn sie ihre alte Heimat vermissten. Als ich den wunderschönen Wasserfall sah und seine entspannende Atmosphäre auf mich wirken ließ, wurde mir klar, warum die Mitglieder des Taira-Clans diesen Ort dafür ausgewählt hatten. Unser Reiseführer zeigte uns Fotos des Biwa-Wasserfalls im Februar, als er gefroren war. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie wunderschön das in natura aussehen mag!
Kazurabashi Yumebutai: Präsentiert alles, was Nishi-Awa zu bieten hat
In Nähe der Rankenbrücke befindet sich ein Souvenirladen und ein Museum namens Kazurabashi Yumebutai. Wir gingen rein, um uns ein wenig auszuruhen und die Angebote zu durchstöbern. In diesem großen Gebäude werden lokale Lebensmittel, Sake und Kunsthandwerk aus dem Nishi-Awa-Gebiet präsentiert, sodass es optimal dafür geeignet ist, Souvenirs wie Kazura-Soba-Nudeln oder lokal gefärbte Indigo-Produkte zu kaufen. Das Mini-Museum bietet außerdem nähere Informationen über die Brücke und ihre Entstehung.
Iya Bijin: Die Wunder der Kochkunst von Iya!
Da wir auf unserer Bummeltour Appetit bekommen hatten, gingen wir in ein Restaurant namens Iya Bijin, um die lokale Küche zu testen. Ich konnte es kaum erwarten, die berühmtesten Gerichte von Iya zu probieren: „Dekomawashi“ und „Amego“.
„Dekomawashi“ ist ein Spieß, der aus einer Auswahl der bekanntesten Iya-Spezialitäten besteht: Konjakwurzel, Iwa-dofu (eine Art fester Tofu, der in der Iya-Region hergestellt wird), Soba-Dango und Iya-Kartoffeln. Der Spieß wird mit einer süßen Miso-Paste bestrichen und langsam über einer Irori-Herdplatte gegrillt. Beim zweiten Gericht – „Amego“ – handelt es sich um eine kleine Flussforelle, die auf die gleiche Weise zubereitet wird. Die Reise ins Iya-Tal ist erst dann vollends abgerundet, wenn man eine dieser lokalen Köstlichkeiten probiert hat.
Ich bestellte ein Lunch-Set, das beide Gerichte enthielt, zusammen mit Gemüse der Saison, eingelegtem Gemüse, Miso-Suppe und einer kleinen Schüssel Soba-Nudeln. Mein persönlicher Favorit war das Dekomawashi, da der langsame Holzkohlegrill das Beste aus der Miso-Paste herausholte und alle Zutaten optimal zart werden ließ.
Außerdem bestellte ich einen Sudachi-Cider, der unglaublich erfrischend war. Das Iya Bijin hat sowohl Innen- als auch Außenplätze. In meinem Fall war das Wetter zu schön, um nicht draußen auf der Terrasse zu sitzen. Von dort aus genoss man einen herrlichen Blick auf das Tal.
Angenehm überrascht war ich auch von der kleinen Tanuki-Statue (jap. Marderhunde, die im Volksmund häufig als neckische Kreaturen dargestellt werden, die den Menschen Streiche spielen). Diese erinnert mich an „Manneken Pis“ – eine berühmte belgische Statue.
Manneken Pis: Kindheitserinnerungen und Mutprobe
Etwa 6 km von Iya Bijin entfernt befindet sich die Iya Manneken Pis-Statue, die von der berühmten Manneken Pis-Statue in Belgien inspiriert wurde und einen kleinen Jungen zeigt, der über den Berghang pinkelt. Die Statue basiert auf einer Geschichte über einheimische Kinder, die sich auf dem Felsen erleichterten, um ihren Mut zu testen.
Mir persönlich würde es genügen, einfach nur die großartige Aussicht auf das Tal zu genießen, ohne auf irgendwelchen Felsvorsprüngen zu stehen. Doch da das Iya-Tal an einem so malerischen Ort wie diesen eine Nachbildung der Originalstatue bot, besuchte ich sie kurz nach meinem Mittagessen im Iya Bijin, um meinen Mut zu testen – so, wie es auch die einheimischen Kinder in der Vergangenheit getan hatten.
Hotel Iyaonsen: Eine heiße Quelle, die nur mit der Seilbahn erreichbar ist
Unser nächster Halt war das Hotel Iyaonsen, welches eine einzigartige heiße Quelle unter freiem Himmel bietet. Das Bad, das sowohl Hotelgästen als auch Tagesausflüglern zur Verfügung steht, ist ausschließlich mit der Schienenseilbahn erreichbar. Es bietet einen Blick auf den Iya-Fluss und lässt seine Gäste voll und ganz in die üppige Natur der Umgebung eintauchen.
Im Souvenirladen des Hotels fand ich eine interessante Eissorte: Soba (Buchweizen) – definitiv herauszuschmecken, aber nicht zu dominant.
Ich nahm mein Eis mit auf die Terrasse und beobachtete, wie die Seilbahn zwischen dem Eingang des Hotels und den heißen Quellen auf und ab fuhr. Ich freue mich immer, wenn ich einzigartige Eissorten finde – und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht.
Die Bummeltour geht zu Ende
Nach unserem Besuch im Hotel Iyaonsen war die Tour schließlich an ihrem Ende angelangt. Sofern es sich zeitlich einrichten lässt, ist ein längerer Aufenthalt im Hotel empfehlenswert, um die heißen Quellen zu genießen. Vielleicht können Sie dabei sogar den Sonnenuntergang beobachten!
Die Tour dauert etwa 8 Stunden und kostet 12.000 JPY pro Person. Weitere Kosten fallen an für Transport (etwa 1.680 JPY), den Eintritt für die Iya-no-Kazurabashi (550 JPY), das Mittagessen, sowie 500 JPY für eine optionale Versicherung. Für diese Tour sind mindestens zwei Teilnehmer erforderlich.
Obwohl die Strecke rund um das Iya-Tal hauptsächlich aus sanften Abfahrten besteht, kann das Befahren dieser Straßen im Winter recht gefährlich sein. Daher finden die Touren ausschließlich zwischen März und Dezember statt. Normalerweise wird die Tour auf Japanisch abgehalten. Doch der Reiseführer, der uns an diesem Tag begleitete, sprach ziemlich gut Englisch! Er hatte einige Zeit in den USA gelebt und dort sogar ein paar Roadtrips unternommen. Wir haben seine freundliche Art und sein umfassendes Wissen über die Gegend sehr geschätzt!
Das Iya-Tal ist ein echter Geheimtipp
Da das Iya-Tal als eines der abgelegensten Gebiete Japans gilt, bin ich sehr dankbar, dass ich diese Region mit eigenen Augen sehen durfte. Sie ist sofort zu einem meiner Lieblingsorte in Japan geworden. Das Iya-Tal eignet sich optimal für alle, die Berge, üppige Wälder, Flüsse, kleine Dörfer und traditionelle lokale Speisen mögen. Die Bummeltour war außerdem eine tolle Möglichkeit, viele der Sehenswürdigkeiten von Iya zu erkunden und gleichzeitig frische Luft und Bewegung zu tanken. Ich werde auf jeden Fall bald wieder herkommen!
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