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Marumaru no Hanashi: Atemberaubende Zugfahrt in der Präfektur Yamaguchi entlang der Küste des Japanischen Meeres
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- ZIELORT
- Yamaguchi
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- LETZTE AKTUALISIERUNG
- 7. September 2023
Nirgendwo sonst ist die Begeisterung für Züge so groß wie in Japan. Im ganzen Land gibt es unzählige Hochgeschwindigkeits-, Nahverkehrs-, Sightseeing-, Luxus- und rundherum wunderschöne Züge, die Sie durch all die herrlichen Berge, Meereslandschaften, Städte und ländlichen Gebiete bringen, die das Land zu bieten hat. Zugfahren, ob ins Büro oder für ein Abenteuer auf dem Land, wird immer eine meiner Lieblingsbeschäftigungen sein. Es ist so einfach, nur aus dem Fenster zu schauen und alle Sorgen zu vergessen, besonders in Zügen, die Ausblick auf schöne Landschaften bieten. Ich habe mich besonders darauf gefreut, die Präfektur Yamaguchi zu besuchen und dort einen dieser Sightseeing-Züge zu nehmen, der an der wunderschönen Küste des Japanischen Meeres entlangfährt.
Yamaguchi: Atemberaubende Strände, köstliche Meeresfrüchte und eine reiche Kultur
Yamaguchi ist die westlichste Präfektur auf Japans Hauptinsel Honshū. Sie beherbergt zahlreiche Küstenstädte und ist bekannt für ihre frischen und köstlichen Meeresfrüchte. Eines der berühmtesten Gerichte ist „Fugu“ (Kugelfisch), von dem Yamaguchi die größte Menge unter allen Präfekturen des Landes handhabt. Die Präfektur Yamaguchi ist nicht so stark von Touristen überlaufen wie etwa Tōkyō und Kyōto, was sie zu einem Zentrum für versteckte Juwelen wie den Motonosumi-Schrein macht, der zum Meer hinabführt, und verschiedene andere historische Stätten und Naturlandschaften.
Ich begann meinen Tag in der Stadt Shimonoseki an der Westküste von Yamaguchi. Obwohl es ein grauer Morgen war, konnte nichts meine Vorfreude auf die Zugfahrt entlang der Küste trüben. Ich war an diesem Morgen recht früh aufgewacht und trat meine lange Reise von Kyōto, wo ich wohne, in die Präfektur Yamaguchi an. Nach einer Fahrt mit dem Shinkansen und einer Lokalbahn kam ich in Shimonoseki an und fühlte mich plötzlich lebendig, als ich in der Schlange stand, um meine Fahrkarte für den „Marumaru no Hanashi“ zu kaufen.
Marumaru no Hanashi: Ein Sightseeing-Zug, der eine wichtige Bedeutung birgt
Der Marumaru no Hanashi ist ein im August 2017 in Betrieb genommener Sightseeing-Zug, der auf der San'in-Linie entlang der westlichsten Küste von Japans Hauptinsel Honshū verkehrt. Er fährt vom Bahnhof Higashi-Hagi zum Bahnhof Shin-Shimonoseki und durchquert dabei die Städte Hagi, Nagato und Shimonoseki. Der Name (HA-NA-SHI) entstand aus den Namen der Städte Hagi (Ha), Nagato (Na) und Shimonoseki (Shi). Im Japanischen kann „hanashi“ auch Geschichte oder Erzählung bedeuten, was diesen Zug, der die Geschichte der einzelnen Städte und der tapferen Menschen erzählt, die Japan und die westliche Welt zusammengebracht haben, perfekt beschreibt.
Das Design des Zuges: Durch makellose Details erzählte Geschichten
Die Städte Hagi, Nagato und Shimonoseki haben alle eine lange Geschichte als Orte, die Japan und den Westen zusammenbrachten. Hagi ist zum Beispiel auch als Geburtsort der Meiji-Restauration und vieler großer Persönlichkeiten bekannt, die eine aktive Rolle darin spielten. Kurz gesagt war die Meiji-Restauration eine politische Revolution, die in den späten 1860er Jahren begann und das Ende der Militärregierung und den Beginn großer sozialer, politischer und wirtschaftlicher Reformen einleitete. Durch diese Bewegung wurde Japan zu einem moderneren Land.
Der Marumaru no Hanashi erzählt die Geschichte der Modernisierung Japans anhand von unzähligen gut ausgearbeiteten Details sowohl am Äußeren als auch im Inneren des Zuges. Wagen 1 ist grün, Wagen 2 ist rot, und der Verbindungsbereich ist eine schöne Abstufung mit einem blauen Hintergrund, der das „Meer, das den Westen und Japan verbindet“, darstellt. Auf den beiden Wagen sind außerdem die „Natsumikan“-Blüten (japanische Pampelmusenmandarine) von Hagi, die neben diesen berühmten Zitrusfrüchten der Stadt blühen, und die beliebte Hakenlilie („Hamayū“) von Shimonoseki abgebildet.
Brückenschlag zwischen Japan und dem Westen durch einen zweiwagigen Zug
Beide Wagen stehen jeweils unter einem anderen Thema. Wagen 1 ist in einem japanischen Stil gestaltet. Die Sitze und Tische sind in einem beruhigenden Beige gehalten, und die hellgrünen Kissen tragen zu einer heilsamen Atmosphäre bei.
Einige der Sitze sind sogar mit Tatami-Matten aus Reisstroh ausgelegt, wie man sie auf den Böden traditioneller japanischer Häuser und Teezimmer findet. Machen Sie es sich gemütlich, ziehen Sie Ihre Schuhe aus und genießen Sie das Gefühl der Strohmatten unter Ihren Füßen.
Die Thematik von Wagen 2 ist der Westen. Beim Einsteigen wurde ich sofort an einen alten Dampfzug aus den 1920er Jahren erinnert, und ich fühlte mich wie in die Vergangenheit zurückversetzt. Die Fenster waren von dezenten Backsteindetails eingerahmt, und die sanfte Beleuchtung sowie die modischen Ledersitze waren in einem westlichen Stil gehalten.
Ich war erfreut zu sehen, dass jeder Sitz und jeder Tisch in beiden Wagen unter Berücksichtigung der Aussicht gestaltet wurde, da dies der Hauptreiz eines jeden Sightseeing-Erlebnisses ist. Jeder Sitzplatz bot einen makellosen Ausblick und war strategisch auf die Seite ausgerichtet, von der aus man das Meer genießen konnte.
Ein feierlicher Aufbruch: Japanische Gastfreundschaft in Reinkultur
Als ich den Zug betrat, war ich so begeistert von der Inneneinrichtung, dass ich fast vergaß, dass wir bald an der Küste entlangfahren würden. Ich fand meinen Sitz an einem Tisch im japanischen Wagen. Es gibt viel Platz, um herumzugehen und den Zug selbst und die Exponate darin zu genießen. Ehe ich mich versah, schlossen sich die Türen und die Reise konnte endlich beginnen! Ich schaute aus dem Fenster und mir wurde ganz warm ums Herz, als ich mehrere Bahnhofsmitarbeiter sah, die auf dem Bahnsteig warteten, um uns mit Fahnen und einem Lächeln in den Augen zu verabschieden. Auch ein paar andere Fahrgäste und Eisenbahnliebhaber winkten uns zum Abschied zu! Ich hatte das Gefühl, dass dies echte japanische Gastfreundschaft war, bei der man sich von ganzem Herzen um die Gäste kümmert.
Ein Zug voller Überraschungen: Exponate zu lokalen Traditionen und Kunsthandwerk
Im japanischen Wagen gab es einige kleine Ausstellungsstücke zu bestaunen. Als Erstes fiel mir eine Ausstellung von „Hagi-yaki“ (Hagi-Keramik) auf, einer Art von Keramik, die von Meistern der Teezeremonie und anderen Keramikliebhabern geschätzt wird. Die Hingabe, mit der sich die Stadt der exquisiten Töpferkunst widmet, war das erste, was ich jemals über Hagi gehört hatte, und deshalb freute es mich, dass diese Keramik im Marumaru no Hanashi gezeigt wurde.
In den anderen Vitrinen waren berühmte Erzeugnisse aus Shimonoseki und Nagato ausgestellt. Die Ausstellung zu Nagato umfasste Spielzeuge aus Holz, da die Stadt Bildungsaktivitäten über die Holzindustrie fördert.
Außerdem gab es eine Laterne in Form eines Kugelfischs, der in Shimonoseki vor allem in der Hochsaison im Winter gern gegessen wird. Diese Kugelfisch-Laterne trug einen Zylinder, was mich wirklich zum Schmunzeln brachte.
Mittagspause: Ein Bentō voller sorgfältig ausgewählter lokaler Spezialitäten
Die Zugfahrt von Shin-Shimonoseki nach Higashi-Hagi dauert etwa drei Stunden, sodass man genügend Zeit hat, sich zu entspannen und zu Mittag zu essen.
Zum Mittagessen bestellte ich das „Misuzu-no-Furusato Bentō“ – benannt nach Misuzu Kaneko, einer berühmten Dichterin von Kinderliedern, die in Nagato geboren wurde. Ihr Lieblingsessen waren „Wakame-Musubi“, mit Seetang umhüllte Reisbälle. Solche waren in meinem Bentō enthalten, zusammen mit vielen anderen Spezialitäten, die in Nagato üblicherweise gegessen werden, wie „Uzaku“ (in Essig eingelegte/r Gurke und Aal) und „Yakitori“ (gegrillte Hähnchenspieße).
Wir bekamen auch ein Blatt auf Japanisch, auf dem erklärt wurde, worum es sich bei den einzelnen Speisen handelte und wo sie im Bentō zu finden waren. Der Google Übersetzer ist in diesem Fall sehr nützlich, wenn Sie eines der Produkte meiden möchten oder Informationen über Allergien nachschlagen müssen.
Ein Bentō muss mindestens drei Tage vor der Abfahrt reserviert werden. Auf der Hinfahrt können Fahrgäste saisonale Bentō genießen, die je nach Jahreszeit wechseln, und auf der Rückreise gibt es leckere Sets mit Snacks oder Süßigkeiten.
Tolle Aussichtspunkte und Fotomöglichkeiten
Während der Fahrt hält der Zug an bestimmten Aussichtspunkten, damit die Fahrgäste Fotos vom Meer, von Bergen und sogar von Schreinen machen können, die vom Fenster aus zu sehen sind. Nach ein paar Minuten setzt sich der Zug wieder in Bewegung, und es folgt eine Durchsage, wenn sich der Zug dem nächsten Aussichtspunkt nähert.
Am Bahnhof Agawa besteht auch die Möglichkeit, den Zug kurz zu verlassen. Direkt neben dem Bahnsteig befindet sich das beliebte Café Agawa, wo Sie Kaffee und Snacks kaufen können, bevor Sie wieder einsteigen!
Fahrgäste des Marumaru no Hanashi können das exklusive „Marumaru no Hanashi Original Set“ kaufen, das eine Auswahl an Snacks, einen Filterbeutel mit gemahlenem Kaffee und ein Getränk enthält (nur für begrenzte Zeit).
Der Bahnhof Agawa ist auch ein guter Ort, um ein paar Fotos des Äußeren des Zuges zu machen, da man von der Brücke über den Gleisen den ganzen Zug sehen kann.
Artikel, die nur in diesem Zug erhältlich sind!
Im Wagen im westlichen Stil befindet sich ein kleiner Geschenkeladen mit vielen Artikeln, die es nur im Marumaru no Hanashi gibt, wie etwa Schlüsselanhänger, Bleistifte und andere Schreibwaren sowie „Tenugui“ (Handtücher) und Untersetzer, die von einer lokalen Stofffärberei aus Hagi namens Iwakawa Hataten hergestellt werden.
Die Produkte von Iwakawa Hataten sind fantastische Souvenirs, da sie von einheimischen Handwerkern handgefärbt werden! Viele der Handtücher und anderen Produkte im Zug waren mit Motiven lokaler Spezialitäten wie Meerbrassen und Hagis „Natsumikan“-Blüten (japanische Pampelmusenmandarine) versehen.
Ein herzliches Willkommen am Bahnhof Hagi
Endlich fuhr der Zug in den Bahnhof Hagi ein, mein heutiges Ziel! Erneut warteten freundliche Mitarbeiter mit niedlichen Willkommensfahnen auf unsere Ankunft. Diese Fahnen wurden auch an den Bahnhöfen Shimonoseki und Nagato geschwenkt, was das ganze Erlebnis noch besonderer machte. Sie werden ebenfalls von der berühmten Färberei Iwakawa Hataten in Hagi hergestellt, und jede der drei Städte hat ihr eigenes Design! Shimonoseki ist grün, Nagato ist blau und Hagi ist rot, und jede Fahne ist mit den verschiedenen Blumen und Fischen verziert, für die die jeweilige Stadt bekannt ist.
Ich war bereits einige Monate zuvor schon einmal in Hagi, und einer der Mitarbeiter des Fremdenverkehrsverbandes, der am Bahnhof mit einer Fahne winkte, erinnerte sich an mich! Hagi mag zwar immer noch eine Gegend sein, die nicht vielen ausländischen Touristen bekannt ist, aber ich fühlte mich sehr geehrt, dass sie meinen vorhergehenden Besuch so unvergesslich fanden wie ich. Hagi ist eine wunderbare Stadt voller Geschichte und – natürlich – voller Töpferwaren!
Wir sind am frühen Nachmittag in Hagi angekommen, sodass wir nach dem Aussteigen aus dem Marumaru no Hanashi viel Zeit hatten, um die Stadt zu erkunden! Wir besuchten mit dem „Hagi Meirin-Gakusha Besucherzentrum“ eines der größten hölzernen Schulgebäude Japans, erkundeten die Akademie „Shōkasonjuku“, die als „Stätte der Industrierevolution im Japan der Meiji-Zeit“ registriert ist, schlenderten durch die Burgstadt Hagi, während wir die traditionellen Straßen fotografierten, und probierten sogar lokales Bier. In Hagi gibt es eine Menge Geheimtipps, sodass Besucher sicher eine unvergessliche Zeit verbringen werden!
Ein unvergessliches Erlebnis im Marumaru no Hanashi
Der Marumaru no Hanashi feierte im Jahr 2022 sein fünfjähriges Bestehen und dient dazu, die Freude an den Küstenstädten von Yamaguchi mit der Welt zu teilen. Für mich war der Marumaru no Hanashi eines meiner unvergesslichsten Zugerlebnisse. Ich war höchst beeindruckt von der Liebe zum Detail, die sich überall im Inneren und am Äußeren des Zuges zeigt. Von den künstlerischen Darstellungen auf dem Zug selbst bis hin zum Layout und Design des japanischen und des westlichen Wagens wurde jede Stadt, die der Zug durchfährt, exquisit dargestellt. Ich bin so glücklich, dass ich dieses Abenteuer mit Ihnen teilen konnte, und ich würde mich geehrt fühlen, wenn ich eines Tages noch einmal mit dem Marumaru no Hanashi fahren könnte!
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Yamaguchi
Yamaguchi ist von Meer, Bergen und Flüssen umgeben und erfreut sich eines milden Klimas, welches das ganze Jahr über angenehm ist. In Hinsicht auf Naturschönheiten hat die Präfektur mit einer Küstenlinie von zirka 1.500 Kilometern viel zu bieten. Eine der drei berühmtesten Brücken in Japan, die Kintai-Kyo, und andere Sehenswürdigkeiten sind lohnende Ziele, und Fugu (Kugelfisch) ist ein delikates Wintergericht.