Kunst & Kultur
Setouchis verborgene Kunstschätze
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- 25. Februar 2026
Die Setouchi-Region beherbergt zahlreiche Kunstmuseen in großen Städten und ist zudem Austragungsort der renommierten Setouchi Art Triennale, die unzählige Besucher anzieht, um ortsspezifische Kunstwerke auf einigen Inseln des Seto-Binnenmeeres zu bewundern. Doch abseits der überfüllten Pfade lassen sich einige versteckte Kunstschätze entdecken, die den Umweg allemal wert sind. Diese Museen sammeln nicht nur Werke bedeutender Künstler, sondern oft sind auch die Gebäude selbst architektonische Kunstwerke: Architektur, die die faszinierenden Beziehungen zwischen Kunst und den sich ständig wandelnden Landschaften und Meerespanoramen des Seto-Binnenmeeres verdeutlicht.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Nagi Museum of Contemporary Art (Okayama) | Artworks Integrated Into Architecture
- 2. Hyogo Prefectural Museum of Art (Hyogo) | An Open Cultural Hub Where Architecture and the Sea Resonate
- 3. Simose Art Museum (Hiroshima) | Admire art, inside art
- 4. Omishima Art Museum / TOKORO MUSEUM OMISHIMA (Ehime) | Art on the Island, Overlooking the Sea
- 5. Seeing Art Through the Setouchi Landscape
1. Nagi Museum für zeitgenössische Kunst (Okayama) | In die Architektur integrierte Kunstwerke
Das Nagi Museum für zeitgenössische Kunst (NagiMOCA) wurde 1994 in Nagi, in der Präfektur Okayama, als wegweisendes Museum für Erlebniskunst eröffnet. In einem Raum, der die Besucher dazu einlädt, sich ein kindliches Staunen zu bewahren und spielerische Neugier zu wecken, erleben die Betrachter die Werke mit allen fünf Sinnen, wobei ihre eigenen Interpretationen und Sehweisen völlig freigestellt sind.
Das Gebäude selbst entstand in Zusammenarbeit zwischen dem renommierten japanischen Architekten Arata Isozaki und vier international gefeierten Künstlern, die mit der Schaffung großformatiger, ortsspezifischer Installationen beauftragt wurden. Die drei entstandenen Kunstwerke wurden direkt in die Architektur des Museums integriert und bilden drei unverwechselbare, interaktive Ausstellungsräume, die jeweils um ihre natürliche Achse ausgerichtet sind: Erde, Mond und Sonne.
Der erste Raum, den Besucher betreten, ist die „Erde“ mit Aiko Miwayakis Installation „Utsurohi – Ein Moment der Bewegung“. Es ist eine faszinierende Mischung aus Materialien und Oberflächen: Ein Gewirr aus Edelstahldrahtbögen, die aus schwarzen Steinen emporragen und sich in einer stillen Wasserfläche spiegeln. Die Installation wirkt je nach Tages- und Jahreszeit, insbesondere im frostigen Winter, ganz anders. Ihre Mittelachse ist auf den Gipfel des majestätischen Berges Nagi ausgerichtet.
Die schlichte, halbmondförmige Galerie „Mond" präsentiert Kazuo Okazakis Werk „HISASHI – DAS, WAS ERGÄNZT“. Inspiriert von schützenden Dachvorsprüngen, bietet es einen friedlichen Ort zum Verweilen und Ausruhen. Zwei lange Steinbänke entlang der geschwungenen Wand laden Besucher zum Entspannen ein. Schließt man die Augen, wird die Installation zu einem auditiven Erlebnis, in dem jede Bewegung verstärkt wird. Der raue Boden lässt die Geräusche der umhergehenden Menschen widerhallen. Die flache Wand von „Mond“ weist in Richtung 22 Uhr bei Vollmond.
Die Sonnengalerie ist vielleicht der überraschendste der drei Räume. Man gelangt über eine geheimnisvolle, dunkle Treppe in den surrealen, zylindrischen Raum von „Ubiquitous Site, Nagi’s Ryoanji“, gestaltet von Shusaku Arakawa und Madeline Gins. Zen-Steingärten, ähnlich denen des Ryoanji-Tempels in Kyoto, säumen die konkaven Wände. Keine Fläche ist eben, was dem Raum eine schwindelerregende Wirkung verleiht, als befände man sich im Inneren eines riesigen Teleskops. Steine, geschwungene Bänke, diagonale Wippen und horizontale Stangen sind symmetrisch um die nach Süden weisende Mittelachse des Zylinders angeordnet.
2. Hyogo Prefectural Museum of Art (Hyogo) | Ein offener Kulturraum, in dem Architektur und Meer in Resonanz treten
Das Hyogo Prefectural Museum of Art wurde 2002 am Ufer des historischen Hafenviertels von Kobe eröffnet. Es wurde als Symbol des kulturellen Wiederaufbaus nach dem Großen Hanshin-Awaji-Erdbeben von 1995 konzipiert und dient der Förderung der Kunst und Kultur der Präfektur Hyogo mit Schwerpunkt auf bildender Kunst.
Die Museumsausstellungen präsentieren sorgfältig ausgewählte Werke aus einer Sammlung von rund 13.000 Stücken sowie Sonderausstellungen mit japanischer und internationaler Kunst. Mit diesem Programm spricht das Museum Besucher aller Generationen an.
Das Gebäude wurde vom international renommierten Architekten Tadao Ando entworfen. Charakteristisch für seine Architektur sind die kraftvolle Sichtbetonkonstruktion, die sich zum Meer hin öffnenden Glaskorridore und die Raumkompositionen, die gekonnt mit Licht und Schatten spielen. Seine Baukunst wirkt gleichermaßen zurückhaltend und spannungsgeladen. Im stillen Dialog mit den ausgestellten Kunstwerken bereichert das Gebäude selbst das Kunsterlebnis.
Das Museum integriert Architektur, Natur und Kunst und versteht sich als offener Kulturraum, der die Erinnerung und die Zukunft der Stadt Kobe miteinander verbindet.
Beim Durchwandern des Museums eröffnet sich den Besuchern eine Abfolge sanft geschwungener Räume, und die Architektur selbst wird Teil des Seherlebnisses. Die klare Sichtbetonstruktur des Gebäudes lenkt den Blick auf natürliche Weise nach außen, bezieht das umgebende Meer und den Himmel in die Raumwahrnehmung mit ein und betont die Beziehung zwischen Architektur und Natur.
Die langen, horizontalen Treppen und das markant hervorspringende Vordach prägen die Außenform des Gebäudes und lenken den Blick entlang der Uferpromenade zum Horizont. Die sich überlappenden Treppenebenen erzeugen je nach Blickwinkel unterschiedliche Tiefenwirkungen und verleihen dem Gebäude so einen lebendigen und dynamischen Ausdruck.
Die 2019 eröffnete Ando-Galerie wurde durch eine private Spende des Architekten Tadao Ando entworfen und errichtet. Vor der Galerie steht der „Green Apple“ (dt. “Grüner Apfel”), ein von Ando gestiftetes Denkmal, das von dem Gedicht „Youth“ (dt. “Jugend”) des amerikanischen Dichters Samuel Ullman inspiriert ist. Das Werk symbolisiert Hoffnung und die Idee ewiger Jugend und verkörpert den Kern von Andos persönlicher Philosophie.
Im Inneren präsentiert sich die Galerie als visuelle Retrospektive von Andos architektonischer Laufbahn. Konzeptskizzen, Zeichnungen, Modelle, Architekturpläne und Fotografien zeichnen den Werdegang seiner vielfältigen Tätigkeiten über mehrere Jahrzehnte nach. Im Obergeschoss lädt eine Bibliothek die Besucher zum Stöbern in Andos eigenen Publikationen sowie in Fachbüchern über Architektur ein.
Die Ando-Galerie beherbergt zudem bedeutende Installationen, die die Geschichte des Ortes und den Wiederaufbau nach dem Erdbeben von 1995 vermitteln. Diese Ausstellungen vertiefen das Verständnis der Besucher für die Rolle des Museums als Ort der Erinnerung, der Besinnung und der kulturellen Kontinuität.
3. Simose-Kunstmuseum (Hiroshima) | Kunst bewundern, inmitten von Kunst
Das Simose-Museum, das als eines der schönsten Kunstmuseen der Welt mit dem Versailles-Preis ausgezeichnet wurde, eröffnete 2023 in der Stadt Otake, gelegen in der Präfektur Hiroshima, und erstreckt sich in das Seto-Binnenmeer. Das auch als „bewegliches Museum“ bekannte Museum wurde von dem preisgekrönten, umweltbewussten japanischen Architekten Shigeru Ban entworfen, der einen variablen Raum schuf, in dem Architektur, Landschaft und Sammlung zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen.
Acht farbenfrohe, würfelförmige Galerien scheinen in einem flachen Becken zu schweben. Jede Galerie steht auf einem Ponton und kann vom Personal so positioniert werden, dass sich die räumliche Anordnung im Laufe der Ausstellung verändert. Eine lange, verspiegelte Glaswand hinter dem Wasser verdoppelt den Blickwinkel und lässt das Museum optisch mit seiner Küstenlandschaft verschmelzen. Saisonale Blumen rund um den Wassergarten beleben die Szenerie, während die Spiegel und das farbige Glas des Museums die Veränderungen des Himmels reflektieren und so die Atmosphäre stündlich prägen. Bleiben Sie mindestens bis zum Sonnenuntergang, um zu sehen, wie die beweglichen Galeriewürfel im Dunkeln leuchten.
Direkt unterhalb der Seeblick-Terrasse erstrecken sich die beweglichen Galerien, die eine Hommage an die zahlreichen Inseln des Seto-Binnenmeeres darstellen. An klaren Tagen bietet sich ein freier Blick bis nach Miyajima mit seinem markanten roten Torii-Tor. Otake liegt zwischen den Inselattraktionen Hiroshimas und dem beliebten Erholungsgebiet an der Küste der Präfektur Yamaguchi, weshalb das Simose-Kunstmuseum ein idealer kultureller Zwischenstopp auf Reisen zwischen diesen Regionen ist.
Zu den beliebtesten Stücken der Museumssammlung zählen Émile Gallés Glasvasen sowie rund 500 Kunst- und Handwerksgegenstände, die Yumiko Simose und ihre Eltern über ein halbes Jahrhundert zusammengetragen haben, darunter Werke von Künstlern wie Henri Matisse, Marc Chagall und Léonard Foujita. Im Außenbereich orientiert sich die Bepflanzung an den von Émile Gallé bevorzugten Blumen. Das Gelände verändert seine Farben und Töne im Laufe des Jahres, ebenso wie Bans verspiegelte Oberflächen und farbige Kuben die jahreszeitlichen Veränderungen unterstreichen.
Der Simose-Komplex umfasst außerdem ein Café und einen Shop in einem ruhigen, von einer Holzkonstruktion geschützten Freiluftbereich, deren Form an einen Baum mit langen, ausladenden Ästen erinnert. Auf dem Gelände befinden sich ein französisches Gourmetrestaurant sowie zehn luxuriöse Villen direkt am Wasser und im Wald. Jede Villa wurde von Shigeru Ban entworfen und ist ein Unikat. Hier können Sie eine ruhige Nacht verbringen, denn der Zugang zum Garten ist exklusiv den Hotelgästen vorbehalten.
4. Omishima-Kunstmuseum, Imabari / TOKORO MUSEUM OMISHIMA (Ehime) | Kunst auf der Insel, mit Blick auf das Meer
Die große Insel Omishima beherbergt viele verborgene Schätze entlang der Shimanami Kaido, der malerischen Inselroute, die Honshu und Shikoku über das Seto-Binnenmeer verbindet. Etwa in der Mitte gelegen, bietet sie sich ideal für einen Abstecher von der Hauptstraße an, um die Insel weiter zu erkunden.
Der Eingang zum Omishima-Kunstmuseum, Imabari ist ein imposantes Bauwerk mit einem dramatisch hohen Bogendach, das außen von Holzpfeilern getragen wird und unter der Decke sichtbare Balken aufweist. Das Museum selbst präsentiert sich im traditionellen japanischen Architekturstil mit strahlend weißen Wänden. Umgeben von einem schlichten Gartenweg, fügt sich das Gebäude harmonisch in die benachbarte Schreinanlage ein. Die ständige Sammlung des Museums konzentriert sich auf Nihonga (zeitgenössische japanische Malerei) lebender Künstler, während die Wechselausstellungen von experimenteller Medienkunst bis hin zu seltenen Ukiyo-e-Holzschnitten aus der Edo-Zeit (1603–1868) reichen.
Ein weiteres Highlight ist der dem japanischen Maler Toshio Tabuchi gewidmete Ausstellungsraum, der anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Museums eröffnet wurde. Er zeigt einige der originalen großformatigen Gemälde des Künstlers, die semi-abstrakte Landschaften und perspektivische Szenen darstellen, sowie Vorstudien und sogar Werkzeuge und Materialien, die er zu ihrer Entstehung verwendete.
Nur knapp 15 Autominuten entfernt liegt das TOKORO MUSEUM OMISHIMA, ein beeindruckender Ort für Kunstskulpturen, die sich faszinierend in ihre natürliche, malerische Umgebung einfügen. Das offene Museum, dessen Gestaltung an die gestrandete Arche Noah erinnert, präsentiert sich als mehrstufige Betonterrasse mit Blick auf das Seto-Binnenmeer.
Der Wow-Effekt beginnt schon ganz oben: Die Installation „Kissing Doors“ des amerikanischen Künstlers Noé Katz bildet den Eingang zur halb offenen Galerie. Kunstwerke zeitgenössischer japanischer und internationaler Künstler, die Bronze, Aluminium, Altholz und andere witterungsbeständige Materialien verwenden, bilden einen harmonischen Kontrast zu ihrer Umgebung und schaffen so ein nahtloses Zusammenspiel von Kunst und Natur. Die unterste Ebene des Gebäudes reicht bis ins Grüne direkt über dem Meer, wo man die Landschaft unter freiem Himmel bewundern kann.
5. Kunst durch die Setouchi-Landschaft entdecken
Meer, Inseln, Himmel und Stadtlandschaften bilden vielfältige Szenerien, die als natürliche Kulisse für Architektur und Kunstwerke rund um das Seto-Binnenmeer zum Leben erwachen. Anders als bei städtischen Museen bieten diese ortsspezifischen Installationen ein einzigartiges und lokales Erlebnis, das typisch für Setouchi ist.
Wenn Sie durch die Region reisen, sollten Sie sich unbedingt Zeit nehmen, diese verborgenen Kunstschätze abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Sie werden das Seto-Binnenmeer danach vielleicht mit ganz anderen Augen sehen.
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Okayama
Die Okayama-Gegend hat sich zu einer lebhaften Kulturregion entwickelt, in der verschiedene Gewerbe wie Schwerter, Bizen-Keramik und andere Kunsthandwerke vertreten sind. Aufgrund des warmen Klimas werden hier viele Früchte wie Pfirsiche und Muskattrauben angebaut. Von vielen Aussichtspunkten kann man die Inseln der Setouchi-Binnenmeers bewundern.